Work-Life-Balance ein Fremdwort?

Vor ein paar Monaten hatte ich ein Bewerbungsgespräch wo natürlich auch Arbeitszeiten ein Thema waren. Als ich angesprochen hatte das es für mich auch keine Problem ist Überstunden zu machen wurde ich belächelt. Man würde hier Work-Life-Balance groß schreiben und Überstunden werden nur gemacht wenn es wirklich nicht anders geht. Seit dieser Zeit spukt dieses Buzzword durch meinen Kopf. Als IT-affiner Mensch war mir natürlich dieser Ausdruck schon länger geläufig. Werft man einen Blick über den Teich nach Silicon Valley geht man dort sogar noch einen Schritt weiter. Dort gibt es in sehr vielen High-Tech Unternehmen einen Feel-Good Manager der sich um die Belange seiner Kollegen kümmert. Doch was heißt das nun genau?

Feel-Good?

Ich selbst arbeite in einem mittelständischen Unternehmen wo ich mir ziemlich sicher bin das weit über die Hälfte der Mitarbeiter nicht gerne zur Arbeit gehen sondern einfach nur weil Sie es müssen. Der Zwang Rechnungen am Anfang/Mitte/Ende des Monats zu bezahlen zwingt Sie dazu jeden Morgen zur gleichen Zeit aufzustehen. Immer zur gleichen Zeit die Frühstücks und Mittagspause zu machen. Dann Pünktlich gegen 17 Uhr, am besten aber schon davor seine sieben Sachen zu packen und den glücklichen Feierabend zu begehen.  Urlaubstage zu bekommen ist für viele ein Drahtseil-Akt, weil Sie auf die Laune des Chefs angewiesen sind oder gerade unabkömmlich im Unternehmen sind. Man hat schon vor Jahren aufgegeben eine wirklich enge Bindung mit seinem Mitarbeiter aufzunehmen obwohl man trotzdem noch versucht einen familienären Fokus zu waren erwecken. Ich denke das dies kein Einzelfall ist sondern in sehr vielen traditionellen Firmen genau so Alltag ist.

Bei vielen Firmen im Silicon Valley geht man der Theorie nach das ein Mitarbeiter der gerne zu seiner Arbeit geht ein produktiverer Mitarbeiter ist. Doch wie erreicht man das? Kann man es wirklich dem Mitarbeiter möglich machen gerne zur Arbeit zu gehen ohne dabei Unsummen von Geld zu investieren? Ich denke das der erste Schritt für ein produktiverer Mitarbeiter, beim Chef beginnt. Er muss sich leider von der Tatsache verabschieden, dass nur weil er gerne zur Arbeit geht, es seine Mitarbeiter ihm gleichtun. Nur weil er 24 Stunden am Tag für die Firma lebt, kann er nicht erwarten das es seine Mitarbeiter auch tun oder doch??

Break the Rules!

Ein Wandel sollte damit beginnen dem Mitarbeiter zu helfen das er liebt was er tut. Natürlich ist das eine sehr subjektive Auffassung denn jeder definiert Liebe etwas anders anders aber in den Grundzügen geht es einfach darum das der Mitarbeiter seinen Job gerne macht. Die ersten Schritte dazu sind einfach.

1. flexiblere Arbeitszeiten: Abschaffung von starren und eingefahrenen Systemen. Hierzu hat sich sehr viel das Kern-Arbeitszeit-Prinzip bewährt und wird auch von vielen Unternehmen heute schon gelebt. Die Tatsache das ein Mitarbeiter selbst bestimmen kann, ob er nun um 6, 7, 8 oder 9 seine Arbeit beginnt gibt ihm eine gewisse Flexibilität. Die Gruppendynamik sorgt auch dafür das solche Konzepte nicht aus dem Ruder laufen. Die Flexibilität von solchen Arbeitszeiten sollen allerdings noch weitere Benefits mit sich ziehen. So kann man bei erreichen seiner Wochenarbeitszeit evtl. schon Freitag Mittag gegen 12 seinen Feierabend beginnen. Man gibt einem Mitarbeiter hier die Möglichkeit sich selbst besser zu verwirklichen in dem man ihm zwar nicht mehr Freizeit gewährt, aber ihm den Raum gibt zu bestimmen wann er diese einsetzt.

2.wir sitzen alle in einem Boot: Eine weitere interessante Möglichkeit ist das Veranstalten von regelmäßigen Firmen-events bei denen man das Miteinander fördert. Das einfache „Abteilung’s essen gehen“ ist hier genauso hilfreich wie Grillfeste oder auch Ausflüge. Klar kosten diese Veranstaltungen Geld aber sie steigern das „Wir“-Gefühl. Man festigt das Team mit einfachen Spielen bei solche Veranstaltungen und somit auch das Gefühl besser aufeinander aufzupassen. Mitarbeiter die miteinander sprechen und füreinander da sind, auch im privaten Umfeld fördern das Zusammenarbeiten. Man lernt dabei einen Menschen besser verstehen und einzuschätzen. Oft sind Handlungen eines Kollegen befremdlich weil man gar nicht weis warum er vielleicht gerade so eine Laune an den Tag legt. Der tolle Sideffect solcher Veranstaltungen ist natürlich auch das ein Chef Barrieren zwischen ihm und seinen Mitarbeiter abbauen kann.  Die Bindung wird direkter und sein ansehen steigt. Natürlich nur wenn er sich selbst nicht aus so einer Veranstaltung ausschliesst.

3.kreativität Fördern oder Fordern: Viele Mitarbeiter machen stupide und auch simple Aufgaben die nicht für Ihr Potential förderlich sind. Klar gibt es auch Mitarbeiter die mit Ihrer Situation und Ihrer Arbeit zufrieden sind. Menschen haben oft Ideen  für Vereinfachungen in Unternehmen die aber durch alte Strukturen und dem „das haben wir schon immer so gemacht“-Prinzip einfach Mundtot gemacht werden. Oft sind solche Ideen in Pilotprojekten schnell umgesetzt und sehr schnell würde man feststellen ob sich hier eine Verbesserung im Arbeitsablauf einstellen würde. Um dies entgegen zu wirken sollte jeder Mitarbeiter in einer Firma eine Stimme haben und das Gefühl bekommen diese Stimme kund tun zu können. Ein aufgebrachter oder auch emotionaler Mitarbeiter ist definitiv kein schlechter. Im Gegenteil, wenn ihn etwas auf der Arbeit so fuchst das er unter vorgehaltener Hand andere Mitarbeiter anstachelt dann nimmt er eigentlich Anteil an der Firma und das sollte man fördern im positiven Sinne bevor es soweit kommt.

4.Das drumherum( Eigentlich ein Sammelbecken für viele Ideen die es Wert wären auch noch unter weiteren Punkte aufgeführt zu werden aber dann die maximale Wortanzahl von 1000 sprengen würde): In sehr vielen Silicon Valley Unternehmen hat es sich eingebürgert, den Mitarbeiter kostenloses Essen zur Verfügung zu stellen oder Räume wo sie sich zurück ziehen können wenn ihnen mal ein paar Minuten nicht nach Arbeit ist. Natürlich gibt es aber auch Räume wo gezielt Kreativität gefördert werden kann und wo man den Mitarbeiter sportliche Tätigkeiten genauso anbietet wie auch künstlerische Tätigkeiten.

Round UP

Viele Punkte sind ohne tiefergehende  strukturelle Änderungen nicht umsetzbar. Man verändert damit einhergehend nicht nur einfach eine Unternehmenssituation sondern die komplette Kultur in einem Unternehmen. Eine Kultur die steht und fällt mit dem Menschen der dieses Unternehmen leitet. Erfolge die sich einstellen trotz der Widrigkeit gegen all solche neuen Regeln sollte man vielleicht nicht immer als Produkt der guten Unternehmenskultur sehen. Vielleicht wäre das ändern einer Unternehmenskultur auf neue Wege ein Garant für weiteres Wachstum? Ein Wichtiger Punkt wäre auch noch das Vertrauen! Ein Chef sollte seinen Mitarbeiter vertrauen das er im Sinne der Firma handelt und ihm so auch Handlungsspielraum einräumen ohne bei jeder Bestellung ihm über die Finger zu schauen. Im Grunde kann man all diese o.g. Punkte aber damit zusammenfassen das diese nicht einhergehen, dem Mitarbeiter am Ende des Monats mehr Geld in die Tasche zu wirtschaften sondern ihn produktiver werden zu lassen weil er beginnt zu lieben was er tut und vor allem in welcher Firma er es tut.

1 Kommentar

  1. Pingback: Mache fehler und scheitere | 3k9.de | … zu Gast bei Localho(r)st

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.